Programm Händel-Festspiele 2015


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Sonntag | 7. Juni 2015

V25
19.00 | Oper Halle
Lucio Cornelio Silla HWV 10

Oper von G.F. Händel

Musikalische Leitung: Enrico Onofri
Regie: Stephen Lawless
Bühne und Kostüme: Ashley Martin Davis
Dramaturgie: André Meyer
Solisten: Filippo Mineccia (Lucio Cornelio Silla), Romelia Lichtenstein
(Metella), Jeffrey Kim (Lepido), Ines Lex (Flavia), Ulrich Burdack (Il Dio)
Händelfestspielorchester Halle
Erstaufführung nach der Hallischen Händel-Ausgabe

Eine Veranstaltung der Theater, Oper und Orchester GmbH Halle.


Lucius Cornelius Sulla Felix (138 v. Chr. – 78 v. Chr.), genannt Sulla, gilt als einer der grausamsten Tyrannen Roms. Plutarch beschreibt ihn in seinen PARALLELEN LEBENSBESCHREIBUNGEN als einen Mann, der seine Feinde – angeblich auf göttlichen Befehl – gnadenlos töten ließ und nach seinem Sieg gegen seinen Widersacher Gaius Marius 82 v. Chr. für drei Jahre eine Willkürherrschaft in Rom errichtete. Darüber hinaus soll Lucius Sulla, der in der Oper Lucio Silla heißt, das Leben eines Wüstlings geführt haben, der seine Ehefrauen betrogen und schlecht behandelt haben soll. Überraschend und unberechenbar wie sein Verhalten während der Jahre seiner Herrschaft war auch das Ende seiner Tyrannei: 79 v. Chr. dankte Sulla ohne Angabe weiterer Gründe ab und zog sich ins Private zurück.
1713 machte Georg Friedrich Händel Sulla in seinem LUCIO CORNELIO SILLA  zum Titelhelden einer Oper. Das Libretto stammte von Giacomo Rossi, mit dem Händel bereits bei RINALDO (1711) und bei IL PASTOR FIDO (1712) zusammengearbeitet hatte. Anders als in den beiden Vorgängerstücken, hielt sich Rossi im Falle des LUCIO CORNELIO SILLA nicht an eine bereits vorhandene Textvorlage, sondern entwickelte das Drama auf der Grundlage der PARALLELEN LEBENSBESCHREIBUNGEN Plutarchs selber. Dabei griff er auf einzelne Aspekte der Biografie Sullas zurück, die er für die Opernhandlung komprimierte. So werden in dem Werk Sullas Grausamkeit und seine willkürliche Art, zu herrschen, ebenso thematisiert wie sein Leben als Wüstling, der seine Ehefrau betrügt und verschiedene Frauen zwingen will, sich ihm hinzugeben, und seine überraschende Abdankung. So entstand ein Werk, das ein kompaktes Porträt eines Diktators entwirft, der in seiner Hybris und seiner Verachtung gegenüber anderen selbst vor seinem unmittelbaren Umfeld nicht Halt macht. Händel unterstreicht mit seiner Musik, die von großer Eleganz ist, die Hinterhältigkeit seiner Hauptfigur ebenso wie den kämpferischen Mut seines Rivalen Claudius.
Auffällig ist – gemessen an anderen Werken Händels – die kurze Aufführungsdauer der Oper. Bis heute wird über ihre Entstehung und die Aufführungen zu Händels Lebzeiten spekuliert. Vermutet wird, dass das Werk entweder einzig in einer Privataufführung für den Herzog d´Aumont, einem französischen Sonderbotschafter Louis XIV. am Hofe von Königin Anne, gezeigt wurde oder aber im Juni 1713 in Burlington House in London zur Aufführung kam. Belegt ist eine Uraufführung zu Lebzeiten Händels allerdings nicht. Noch im selben Jahr nutzte der Komponist einen Großteil der Musik aus LUCIO CORNELIO SILLA für seine folgende Oper AMADIGI, was zeigt, dass er diese zum einen selber schätzte, zum anderen sie aber für einen Großteil der Öffentlichkeit noch für neu und unverbraucht hielt.
Bis vor gut 20 Jahren war LUCIO CORNELIO SILLA einzig durch Fragmente aus Händels Originalmanuskript und eine Dirigierpartitur bekannt. Hinzu kam noch die in Kalifornien gefundene Ausgabe des gedruckten Librettos. Auf diesen Quellen basiert diese Rekonstruktion der Oper, die eine Wiederaufführung des Werkes erst möglich machte. So war sie u.a. 1993 bereits konzertant in Halle im Rahmen der Händel-Festspiele zu erleben. Als Erstaufführung der Hallischen Händel-Ausgabe wird LUCIO CORNELIO SILLA 2015 erstmals auch szenisch an der Saale zu sehen sein.








Ausschnitt aus dem Veranstaltungsplakat zu "Lucio Cronelio Silla" der Oper Halle



Enrico Onofri



Oper Halle